Mit Interesse habe ich heute einen kurzen Artikel auf Spiegel Online gelesen, der die Bemühungen verschiedener staatlicher und wirtschaftlicher Organisationen hin zu einer einheitlichen Web-Idenität beschreibt. Zu Recht wie ich finde werden diese Bemühungen kritisch beäugt.
Einheitliche virtuelle Identität
Die Frage die sich für mich zunächst stellt ist jedoch: Wer erhält letztlich die Kontrolle über eine vereinheitlichte Web-Identität? Wohl zu Recht erscheint vielen eine staatlich gelenkte und mit dem eigenen Personalausweis und staatlichen Datenbanken verknüpfte Web-Identität als datenschutzrechtlicher Albtraum. Sorgenvoll betrachte ich allerdings auch wirtschaftliche Initiativen alá OpenID, das mittlerweile neben Google und Microsoft auch von mySpace, VeriSign und anderen unterstützt wird. Zu Recht stellt sich die Frage nach dem Ziel dieser Bemühungen – auf der einen Seite der vermeintlich gläserne Bürger, auf der anderen der gläseren Konsument, der zunehmend gezielt mit Werbung malträtiert werden kann.
Zersplitterte Web-Identität = Anonymität?
Grundsätzlich zu verurteilen sind diese Initiativen dennoch nicht, denn: Die segensreiche Anonymität einer “zersplitterten” Web-Identität, wie der Spiegel es nennt, ist bereits heute ein reiner Wunschtraum. In diesem Blog haben wir in verschiedenen Artikeln gezeigt, dass es ein leichtes ist diese Splitter zu einem einheitlichen Bild zusammenzufügen. Natürlich – eine einheitliche virtuelle Identität würde diese Bemühungen vereinfachen. Aber auch heute reicht bereits die Anmeldung in gängigen sozialen Netzwerken, eine Google Recherche und der gezielte Einsatz spezialisierter Dienste wie Yasni oder MyonID um alle im Netz verfügbaren Informationen zu einer Person zusammenzutragen.
Eine Identität im Netz – auf das Wie kommt es an
Wenn die Anonymität im Netz also ohnehin längst nicht mehr gegeben ist können die Bemühungen hin zu einer einheitlichen Identität im Netz auch durchaus als Chance verstanden werden. Entscheidend ist jedoch die Frage des ‘Copyrights’. Haben staatliche oder wirtschaftliche Institutionen die Hoheit über die Daten Benutzers oder bleiben die Rechte da, wo sie hingehören: Beim Benutzer. Während es für den Aufbau einer postiven Online Reputation heute notwendig ist verschiedenste Quellen (soziale Netzwerke, Blogs, etc.) zu bedienen, gäbe es fortan eine einzige Anlaufstelle um eigene Informationen zu steuern. Ich möchte alte Meinungen revidieren die ich irgendwann einmal in einem Blog getätigt habe? Kein Problem, eine übergreifende Plattform ermöglicht den einfachen Zugriff auf diese Daten. Ich will mich aus dem Netz zurückziehen? Dann lösche ich eben meine virtuelle Identität gemeinsam mit all den Fotos, Texteinträgen und Videos, die ich nicht mehr mit der Weltöffentlichkeit teilen will.
Open Source
Vertrauen in eine solche übergreifende Plattform kann aus meiner Sicht jedoch nur von einer offenen und für alle transparenten Bewegung geschaften werden, die getreu dem Open Source Gedanken dafür sorgt, dass die Rechte an persönlichen Daten auch tatsächlich und uneingeschränkt beim Benutzer verbleiben. Entsprechende Initiativen fehlen bisher leider, hier geben die großen sozialen Netzwerke mit ihren Werbeinteressen weiterhin maßgeblich den Ton an.

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