Nachdem ich in Teil 1 und 2 meiner Reputation Management Basics beschrieben habe was es grundsätzlich beim Aufbau einer Online Reputation zu beachten gilt bzw. wie sie sich ein Bild über ihre eigene Online Reputation machen können geht es jetzt darum, diese aktiv zum eigenen Vorteil zu verändern. Dazu gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: Negative Beiträge unterdrücken, positive Beiträge fördern.
Negative Beiträge unterdrücken
Bevor ich mich im vierten Teil meiner Basics mit dem ‘Königsweg’ des Reputation Managements befasse, der Förderung gewünschter Beiträge, lohnt sich zunächst ein Blick auf die Möglichkeiten negative Beiträge im Netz zu beseitigen. Wohl gemerkt: Das Löschen ungewünschter Beiträge funktioniert nicht immer, ein Versuch lohnt sich, wie in meinem Fall, aber allemal.
Rechtliche Grundlagen
Eine häufige Quelle unerwünschter Äußerungen zu ihrer Person im Internet sind Foren, Blogs bzw. jedwede Seite mit ‘user generated content’, also Seiten, auf denen prinzipiell jeder publizieren kann. Sowohl die Verfasser einzelner Artikel auf diesen Seiten, als auch die Betreiber entsprechender Foren sind dabei grundsätzlich gesetzlich geschützt. Für Forenbetreiber gilt, dass sie die Inhalte ihrer eigenen Seite NICHT aktiv kontrollieren müssen. Werden sie jedoch auf Rechtsverletzungen aufmerksam gemacht, müssen sie sehr wohl aktiv werden und entsprechende Artikel gegebenfalls löschen. Hier ist es jedoch juristisch meist schwer abzuwägen, ob ein Artikel durch das allgemeine Prinzip der Meinungsfreiheit geschützt ist, oder ob tatsächlich der Tatbestand der Verleumdung vorliegt. Es gilt: Sollte sich ein Forenbetreiber tatsächlich weigern einen Eintrag über sie zu löschen kann der juristische Weg lang werden und hat einen ungewissen Ausgang. Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch sagen, das Blog- und Forenbetreiber meist sehr unterstützend sind wenn sie feststellen, dass tatsächlich beleidigende Äusserungen auf ihren Seiten zu finden sind und diese dann auch löschen.
Einmischen!
Sollte sich ein Seitenbetreiber dennoch quer stellen und der juristische Weg zu beschwerlich erscheinen: Mischen Sie sich aktiv in die Diskussion ein! Kommentieren Sie negative Beiträge und schildern Sie ihre Sicht der Dinge! Gerade deshalb ist es so wichtig, dass sie sich immer auf dem Laufenden halten über ihr Bild im Netz.
Soziale Netzwerke – Bindung fürs Leben?
Neben öffentlich zugänglichen Webseiten finden sich ‘belastende’ Interneteinträge aber oftmals auch in den mehr oder wenigen geschlossen Communities sozialer Netzwerke. Hier ist zu unterscheiden zwischen Informationen, die sie selbst zur Verfügung gestellt haben und Informationen, die andere über sie verbreiten. Im ersten Fall haben sie natürlich immer die Möglichkeit selbst eingestellte Informationen auch wieder zu entfernen, die Tücke liegt jedoch oftmals im Detail. Während sich einzelne Details meist noch problemlos entfernen lassen ist beispielsweise die komplette Löschung eines Benutzerprofils mitunter problematisch, so mutet Facebook seinen Benutzer hier einige Hürden zu. Aber auch der deutsche Vorreiter studiVZ gewährt nur auf den ersten Blick die komplette Kontrolle über eigene Beiträge: So wird zwar standardmäßig die Möglichkeit einer “Exmatrikulation” mit einer Löschung aller personenbezogenen Daten angeboten, ihre Spuren werden sie dennoch hinterlassen wie in Artikel 3.3 der AGBs beschrieben:
Mit der erfolgreichen Exmatrikulation eines Nutzers wird der Account des Nutzers und alle personenbezogenen Daten des Nutzers dauerhaft gelöscht. Diejenigen Beiträge, die der Nutzer vor der Exmatrikulation über das studiVZ-Netzwerk öffentlich zugänglich gemacht hat (z.B. auf der Pinwand eines anderen Nutzers oder innerhalb einer Gruppe), bleiben nach der erfolgten Deaktivierung weiterhin abrufbar – dies jedoch ohne Angabe des Namens und mit dem Hinweis, dass der Beitrag von einem inzwischen gelöschten Nutzer stammt.
Haben Sie allerdings ihren Namen innerhalb des Beitrages genannt, womöglich mit pikanten Details, werden sie an der Pinwand ihrer Freunde für immer verewigt bleiben.
Hilfe von Profis!?
Sollten Sie sich den Aufwand bei der Löschung ungewünschter Einträge im Internet nicht selbst zutrauen, finden sich im Internet seit einiger Zeit verschiedene Anbieter, die die komfortable Löschung dieser Einträge gegen Bezahlung anbieten. Aus meiner Sicht sollte man jedoch Vorsicht walten lassen bei diesen Angeboten: Letztlich können auch diese Anbieter zunächst nur freundlich auf Webseitenbetreiber zugehen und sie um das Entfernen unliebsamer Artikel bitten, einige Anwender weisen daher auch ausdrücklich darauf hin, dass sie KEINE juristischen Mittel einsetzen werden (z.B. hier).
Die Nachfrage nach diesen Services scheint dennoch groß zu sein, auch wenn die Aussicht auf Erfolg mitunter klein sein mag. Amüsant fand ich in diesem Zusammenhang einen Eintrag im MyON-ID Blog, die zur Löschung von Daten eine Partnerschaft mit dem Dienstleister Reputation Defender eingegangen sind, selbst aber auch einen eher kritischen Blick auf das Angebot haben:
Das Löschen durch Reputation Defender ist kostenpflichtig und es besteht keine Garantie auf Erfolg. Jedoch gibt es viele Fälle in denen Reputation Defender bereits helfen konnte unliebsame Einträge zu entfernen.
[...]
Wir haben uns bei myON-ID für das Angebot entschieden, da wir etliche Anfragen von Nutzern hatten die genau diesen Service nachgefragt haben. Deshalb war die Entscheidung für uns auch von wirtschaftlichen Überlegungen geprägt.
Was bleibt: Dominate!
Es zeigt sich also, dass das Entfernen oder Kommentieren von unerwünschten Beiträgen zwar eine Möglichkeit ist, letztlich aber nicht immer zum Erfolg führt. Egal ob sie Geld für das Anschreiben von Webseitenbetreibern ausgeben oder einfach selbst eine Email verfassen: Mitunter wird es ihnen nicht gelingen diese Einträge aus dem Internet zu verbannen. In diesem Fall bleibt nur eine Möglichkeit: Sie sorgen selbst dafür, dass diese Einträge auf die hinteren Google-Plätze verwiesen werden. Im letzten Teil meiner Basics werde ich daher auf das ‘dominieren’ der Suchergebnisseite eingehen. In einem Artikel werde ich natürlich nicht das weite Feld SEO und Reputation Management abdecken können, aber ihnen einen Überblick geben und hoffentlich weiterhin Lust darauf machen das Thema SEO und Reputation Management in diesem Blog zu verfolgen.
Veröffentlicht am Fr, Aug 15, 2008 von Sascha Cremer
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